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Thema: Häufige Magengeschwüre beim Pferd

  1. #1
    Benutzer Avatar von Paige
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    Häufige Magengeschwüre beim Pferd

    Magengeschwür beim Pferd

    Zwischen den Jahren 2008 und 2010 wurden in einer amerikanischen Studie 3354 Pferde auf Magengeschwüre untersucht. Mehr als die Hälfte dieser Tiere zeigten mehr oder weniger schweren Befall von Magengeschwüren. 74% der untersuchten Galopppferde litten an dieser Krankheit und 55% der Dressurpferde.

    Pferde produzieren 24 ...Stunden am Tag Magensäure. Wenn nichts im Magen ist was diese Magensäure absorbiert kan der pH-Wert auf 1,5 sinken (normaler pH-Wert = 7, also neutral im Pferdemagen). Ca 4-5 Stunden nach der letzten Mahlzeit ist der pH-Wert auf ca 1,5 gesunken und die Magensäure greift die beschützende Magenschleimhaut ekstrem an. Kriegt das Pferd kein Futter und produziert Spucke übersäuert der Magen immer mehr.

    Pferde können durch Magengeschwüre sterben. Sind die Geschwüre zu ausgedehnt und die Magenwand zu geschädigt können grosse Futteranstauungen oder auch Luft zum platzen des Magens und damit zum Tod führen.

    Studien zeigen das der primäre Grund von Magengeschwüren bei der Fütterung zu suchen ist:

    1. Stärke im Kraftfutter / Körnerfutter

    Im Pferdemagen finden sich Bakterien welche Stärke abbauen. Bei diesem Prozess werden Abfallstoffe frei, welche die Magenschleimhaut schwächen. Je mehr Stärke / Kraftfutter gefüttert wird, desto grösser ist die Menge dieser Abfallstoffe und damit der Angriff auf die Magenschleimhaut. Diese Abfallstoffe lösen primär keine Magengeschwüre aus, führen aber durch die Schwächung der Schleimhaut dazu, dass die Magensäure leichter und grossflächiger angreifen kan.



    1. Raufutter – mindestens 2 wichtige Rollen

    * Durch das Kauen von Raufutter wird Spucke produziert welche Bikarbonat beinhaltet. Dieses trägt dazu bei Magensäure zu neutralisieren.
    * Raufutter besteht aus Fiebern welche gekaut werden und sich wie eine Decke im Magensack auf die Magenflüssigkeit legen. Durch diese Schutzschicht wird die weiße Schleimhaut von der Magensäure geschützt wenn es im Magen zu größeren Bewegungen kommt. Stroh eignet sich nicht sehr gut, diese Schutzschicht zu bilden, weil die Fiebereigenschaften anders sind. Studien zeigen das Pferde die hauptsächlich mit Stroh gefüttert werden eine 4 mal grössere Chance auf Magengeschwühre haben als Pferde die Heu oder Silage fressen. Also gutes Heu und Silage sind wichtig. Luzerne hat eine kleine Sonderstellung. Zum einen fressen die meisten Pferde Luzerne, wenn sie anderes Heu/Silage verweigern. Zum anderen besitzt diese Pflanze viel Protein und Calcium, was die Magensäureneutralisierung unterstützt.
    * Pferde, welche auf der Sommerweide sind, werden in der Regel automatisch von den typisch im Winter auftretenden Magengeschwüren geheilt. Zum einen besitzt Gras sehr gute Fieberanteile um die Schutzschicht und die Spucke zu bilden, zum anderen enthält es Stoffe, die die Magensäure neutralisieren. Durch die dauerhafte Zufuhr von Fieber und Spucke können die Geschwüre abheilen.


    1. Stress – wird zur Zeit beforscht, es liegen aber keine endgültigen Resultate vor

    * Was man weiß ist, dass Stresshormone im Pferdekörper zu einer Veränderung der Durchblutung führen. Das Blut wird vom Magen-Darm-Bereich zugunsten der Muskel- und Gehirnversorgung abgeleitet. Somit wird die Leistungsfähigkeit des Pferdes erhöht und damit die Überlebenschancen. Je schlechter allerdings die Blutzirklulation, desto schlechter ist auch die Verfassung der Schleimhaut der Magenwand. Besonders der rote Teil ist somit vermehrt Magensäure ausgesetzt.
    * Medikamente wie z.B. Finadine oder andere Schmerzmittel wirken auch auf die Blutzirkulation ein und schwächen dadurch im gleichen Maße die Schleimhaut wie es wahrscheinlich der Stress tut.

    Diese Theorien sind noch nicht 100% bewiesen aber Teil umfangreicher Forschungsstudien.



    Magenschwüre werden in 4 Grade eingeteilt. Wobei Grad 1 leichte Magengeschwüre darstellen in einem begrenzten Bereich des Magens. Geschwüre vom Grad 4 sind blutende graterartige Vertiefungen und Risse, oder auch eitrige, z.T. blutende perlenartige Wülstungen.

    Der Magen des Pferdes ist in einen weißen (oberen) und einen roten (unteren) Teil eingeteilt. Es ist nicht 100% sicher, aber alles deutet darauf hinm dass die Geschwüre in den unterschiedlichen Teile verschiedene Ursachen haben.

    Geschwüre im roten Bereich (untere Bereich ) der Schleimhaut scheinen stressbedingt, also durch Stresshormone die das Pferd produziert oder durch medikamentöse Behandlung zu entstehen (z.B. Finadine?).

    Geschwüre im weissen Bereich (obere Bereich) der Schleimhaut scheinen futterabhängig zu sein, zu wenig Raufutter oder schlechter Qualität und / oder große Mengen Kraftfutter – Stärke.

    Normalerweise haben Pferde entweder im weißen oder im roten Bereich der Schleimhaut Geschwüre.



    Anzeichen für Magengeschwühre beim Pferd:

    * Pferd ändert Verhalten, ist unwillig , vielleicht sogar aggressiv
    * Pferd wird ”wählerisch” und frisst nicht mehr alles
    * Pferd fängt an zu fressen und geht nach geringer Zeit wieder weg
    * Pferd bekommt Magenkrämpfe
    * Pferd arbeitet nicht mehr mit

    Eine Diagnose kann nur über eine Magenspiegelung gestellt werden.



    Die Behandlung von Magengeschwüren ist recht einfach durch Medikamente die die Magensäurebildung unterdrücken und somit der Schleimhaut die Möglichkeit geben, sich selbst zu regenerieren. Innerhalb von einer 6 wöchigen Kur heilen die Geschwüre ab. Die Nebenwirkungen dieser Medikamente wären für das Pferd bei nur kurzzeitigem Gebrauch unerheblich.

    Der Tierarzt empfiehlt:

    * Kontrolle der Zähne – ohne gute Kautätigkeit wird nicht genügend Spucke produziert
    * Leichte Magengeschwüre durch Futterumstellung behandeln – wenig Stärke, viel Raufutter, Raufutter mit Luzernen mischen
    * Schwere Magengeschwüre zusätzlich durch Medikamente behandeln
    LG
    Paige

  2. #2
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    Servus Paige!

    Danke für diese informative Zusammenfassung!

    Das ist einer der Gründe, warum ich (ohne Anlaß !!!) die Fütterung etwas umgestellt habe.
    Ich habe einen guten Teil des Körner- Müslis durch ein sogenanntes Struktur-Müsli ersetzt. Habe mich für Equigard von St.Hipolyt entschieden. Die Ölmenge, die ich immer schon zugesetzt habe, wurde leicht erhöht und bei Bedarf, also wenn wir besonders viel machen, wird sie deutlich erhöht.

    Ergebnis:

    Die Pferde kauen länger (mehr Einspeichelung), der pH im Magen-Darmtrakt ist zweifelsohne günstiger, es gelangt keine überschüssige Stärke mehr in den Dickdarm (die Bakis dort vertragen keine Stärke), die Wahrscheinlichkeit für Muskelkater nach Ausdauerarbeit ist geringer und die Pferde schwitzen deutlich weniger.

    Also alles zusammen ein guter Erfolg!

    LG gerald

  3. #3
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    Paige@ vielen Dank für diesen sehr wichtigen informativen Beitrag!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Das unterstreicht die Beobachtungen, welche ich bei einer Freundin machen konnte. Ihre Pferde starben sozusagen GESUND, weit jenseits der 30!!, einfach an Altersschwäche. Nie Kolik, leistungsfähig bis ins sehr hohe Alter, zufrieden, ausgeglichen - einfach GESUND!!!
    Die Haltung: so viel wie möglich draußen, mit Unterstand, Boxen nur in der Nacht bei äußerst ungünstiger Witterung. Sie war damals in unserer Gegend eine der allerersten, welche diese Haltung betrieb.
    Die Fütterung: im Sommer GRAS (ungedüngt)! satt, etwas Heu und so "viel" (Körner)-Kraftfutter, bei viel geforderter Leistung, bzw. im Winter wie nötig was gleichbedeutend ist mit so WENIG wie möglich! Ihre Pferde sahen immer rund und prächtig aus!
    Sie war und ist mir ein großes Vorbild: ganz viel (intuitiver) Pferdeverstand und -gefühl und -liebe!!!

    P.S.: Pferde versuchen sich, bei schlechter Haltung, mit allen Mitteln gesund zu erhalten. Habe es schon gesehen daß Pferde ihren eigenen Mist fressen, weil nichts Essbares von morgens bis abends zur Verfügung steht

    Liebe Grüße
    Greta

  4. #4
    Benutzer Avatar von Paige
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    auch die Pferde meines PB bekommen nur und ausschließlich Raufutter.
    Waren noch niemals krank. Keine Hufprobleme, keine Zahnprobleme, nichts. Das natürlichste ist eben immer das beste.
    LG
    Paige

  5. #5
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    im letzten stall, in dem wir eingestellt waren, hatte ich genau dieses problem mit meinem dusty.
    dort wurde sehr knapp heu mit stroh gemischt gefüttert und damit rechtzeitig feierabend war, das ganze um
    18.00 uhr. spätestens um 23.00 uhr war kein raufutter mehr in der raufe. d.h. 8 stunden nix zu beissen.
    das ging, trotz unserer proteste eine weile gut, aber dann verweigerte dusty sein futter, baute ab und der sattelgurt wurde immer weiter.
    an anderer stelle habe ich schon einmal über den eta-scan gesprochen. mit dieser methode ließ ich dusty untersuchen und das ergebnis war ganz klar - magenschleimhautentzündung, kurz vor magengeschwür.
    der stabi wies natürlich jede verantwortung von sich und sah überhaupt nicht ein, an dem fütterungsverhalten etwas zu ändern.
    durch die gabe von spagyrischen tropfen, mash wurde angenommen und der zusätzlichen fütterung von heu, was wir selber besorgten und spät abends zusätzlich fütterten, peppelten wir dusty wieder auf.
    konsequenz war natürlich auch, den stall zu verlassen und uns nach was eigenem umzusehen, was wir dann ja auch fanden. seitdem sind unsere pferde gesund, ausgeglichen, rundumdieuhr mit gutem heu versorgt, haben gute figuren und immer auslauf.
    geht´s dem pferd gut, freut sich der mensch.
    Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.
    (Voltaire)

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